Nein, es ist immer noch keine Milchsäure — aber Noradrenalin gehört zur Brennstoffgeschichte

Arousal system
Noradrenergic
Mechanisms
Muskelkater entsteht nicht durch Milchsäure. Aber das Arousal-System steuert, wie Brennstoff zu Neuronen gelangt — entgegen dem Mythos.
Autor:in

Yannick Loth

Veröffentlichungsdatum

22. September 2026

Die Milchsäure-Erklärung des Muskelkaters will nicht verschwinden. Sie ist falsch: Laktat ist nach etwa einer Stunde abgebaut und folgt nicht der 24- bis 72-Stunden-Kurve (Miles und Clarkson (1994)). Kater ist mechanische Mikroschädigung und Entzündung.

Es gibt aber eine echte Noradrenalin-Laktat-Verbindung — in die entgegengesetzte Richtung.

Noradrenalin wirkt auf Stützzellen (Astrozyten), Glykogen abzubauen und Laktat als Brennstoff freizusetzen (Hertz u. a. (2015); Killeen, Russell, und Sergeant (2013)). Noradrenalin hilft also, Brennstoff zu liefern.

Ein Noradrenalin-Mangel sollte daher akutes Laktat senken, nicht eine Säure erzeugen. Das passt dazu, dass Noradrenalin und Laktat bei Belastung zusammen steigen und beta2-adrenerges Signal den Glykogenabbau erhöht (Jessen u. a. (2020)).

Die korrekte Aussage ist schmal und fast das Gegenteil des Mythos:

Literatur

Hertz, Leif, Junnan Xu, Dan Song, Ting Du, u. a. 2015. „Astrocytic glycogenolysis: mechanisms and functions“. Metabolic Brain Disease 30 (1): 317–33. https://doi.org/10.1007/s11011-014-9536-1.
Jessen, Søren, Sissel A. Solheim, Glenn A. Jacobson, Kasper Eibye, u. a. 2020. „Beta(2)-adrenergic agonist clenbuterol increases energy expenditure and fat oxidation, and induces mTOR phosphorylation in skeletal muscle of young healthy men“. Drug Testing and Analysis 12 (5): 610–18. https://doi.org/10.1002/dta.2755.
Killeen, Peter R., Vivienne A. Russell, und Joseph A. Sergeant. 2013. „A behavioral neuroenergetics theory of ADHD“. Neuroscience and Biobehavioral Reviews 37 (4): 625–57. https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2013.02.011.
Miles, M. P., und P. M. Clarkson. 1994. „Exercise-Induced Muscle Pain, Soreness, and Cramps“. Journal of Sports Medicine and Physical Fitness 34 (3): 203–16.