Ein Hebel ohne Pille: der Vagus und der Locus coeruleus
Wenn das Problem ein Mangel an zentralem Noradrenalin ist, stellt sich die Frage, ob man es ohne Medikament erhöhen kann. Es gibt einen plausiblen Weg: den Vagusnerv.
Vagale Afferenzen tragen Signale vom Körper zum Nucleus tractus solitarii im Hirnstamm, der zum Locus coeruleus projiziert — dem Haupt-Noradrenalin-Kern. Die transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation (taVNS) setzt ein kleines elektrisches Signal am Ohr; Übersichten beschreiben sie als Aktivierung dieses Locus-coeruleus-Noradrenalin-Wegs (Hilz (2022)). Bei Mäusen aktivierte taVNS noradrenalinproduzierende (TH-positive) Neurone im Locus coeruleus, die die Wirkung vermittelten (Lv u. a. (2024)).
Warum attraktiv. Anders als Stimulanzien drückt taVNS das System nicht mit einem Medikament, ist umkehrbar und dosierbar. Wenn es wirkt, ist es zugleich eine Sonde: ein sicherer Test, ob Noradrenalin-Erhöhung etwas Messbares verändert.
Die Grenzen. Die Human-Evidenz liegt auf Übersichtsebene; die direkte Evidenz stammt aus Mäusen; ME/CFS-spezifische Daten sind vorläufig.
Wie man es wüsste. Eine Studie könnte prüfen, ob taVNS ein nicht-invasives Noradrenalin-Maß verändert — Pupillen, Griffausdauer, ein Urin-Quotient — und, falls die Clearance-Schleife real ist, einen Clearance- oder Entzündungsmarker.
Keine Empfehlung — eine prüfbare Idee.