Der Hirnstammkern, der zuerst versagt
Im Hirnstamm liegt ein kleiner Kern — der Locus coeruleus —, die Hauptquelle des Noradrenalins. Er ist ungewöhnlich verletzlich.
Bei Parkinson ist der Locus coeruleus vor der Substantia nigra betroffen; die Bildgebung nutzt Neuromelanin-sensible MRT, und ein Parkinson-Subtyp zeigt frühe Degeneration beider Kerne (Zhou u. a. (2023)).
Die ME/CFS-Parallele — und der entscheidende Unterschied. Der selektive Noradrenalin-Mangel zeigt ein Stoffwechselmuster, das zu einer LC-Beteiligung passt (Noradrenalin niedrig, Dopamin erhalten) — dieselbe Art Muster wie früh bei Parkinson. Aber niemand hat den ME/CFS-Locus-coeruleus mit der nötigen Auflösung untersucht: keine Bildgebung, keine Post-mortem-Studie. Eine Degeneration ist also nicht ausgeschlossen — sie ist nur nicht nachgewiesen. Wäre das Versagen funktionell (Unterleistung statt Sterben), wäre das eine andere und hoffnungsvollere Situation.
Warum das zählt. Degeneration ist weitgehend irreversibel; funktionelles Versagen ist prinzipiell reversibel. Ob das ME/CFS-Versagen funktionell oder degenerativ ist, ist ungetestet — der Test wäre 7T-Neuromelanin-Bildgebung, die normale LC-Volumina zeigen sollte, wenn das Versagen funktionell ist, anders als bei Parkinson.
Die Vorbehalte. Diese Parallele ist eine Ableitung; niemand hat den LC bei ME/CFS so abgebildet. Und der Kernbefund ist Single-Center und unrepliziert.